In diesem Lehrprojekt wagen wir ein Experiment: Was passiert, wenn Studierende gemeinsam mit Personen aus der Bevölkerung unter der Anleitung von Praxispartner*innen und Mentor*innen eigene Forschungsprojekte durchführen? Wie bereichern das unterschiedliche Fach- und Alltagswissen, die verschiedenen Perspektiven, Zugänge, Imaginationen, Fragen und Erfahrungen die Forschung zu künstlicher Intelligenz und Nachhaltigkeit? Welchen Herausforderungen begegnen wir und welcher Mehrwert entsteht für die Beteiligten?
Steckbrief
Das Lehrprojekt bietet Studierenden der Universität Konstanz, der UZH und ETH die
Möglichkeit, in heterogenen und transdisziplinären Gruppen eigene Citizen
Science-Projekte zu konzipieren und umzusetzen. Studierende werden im Rahmen des
partizipativen Citizen Science-Ansatzes in universitätsübergreifenden Kleingruppen mit Bürgerforscher*innen gemeinsam Forschungsprojekte entwickeln und umsetzen. Diese widmen sich Teilaspekten der Fragestellung: Welche Herausforderungen und
Transformationspotentiale von künstlicher Intelligenz (KI) können im Kontext von
Nachhaltigkeit in der Bodenseeregion identifiziert werden?
Das Projekt „Citizens Consider(ed)“ wird gefördert vom Wissenschaftsverbund mit Mitteln des Programms Interreg VI Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein.
Was genau passiert im Seminar?
Im Seminar lernen Studierende im Rahmen eigener Projektarbeit Schritt für Schritt, wie sie aus einer ersten Idee ein partizipatives Forschungsprojekt entwickeln und worauf es dabei ankommt. Thematisch geht es um die Schnittstellen von KI und Nachhaltigkeit: Mögliche Themen sind z.B. der Einsatz von Pflegerobotern, KI zur Abfall- und Emissionsvermeidung oder Biodiversitätsprojekte. Ziel ist die Erforschung KI-gestützter Lösungen gemeinsam mit den Menschen, die bereits über Alltagserfahrung im Umgang mit diesen Technologien verfügen, z.B. Bewohner*innen oder Pflegekräfte eines Pflegeheims, welches Roboter einsetzt. Für die Umsetzung stehen den studentischen Projektgruppen Mittel zur Finanzierung zur Verfügung, die sie für Reisekosten aber auch für Workshops, Materialien sowie zur Wertschätzung der Mitforschenden einsetzen können.
Was für eine Art „Leistungsnachweis“ erbringen Studierende?
Ziel der partizipativen Projektarbeit ist die Entwicklung eines individuellen, kreativen Dialogformats zum ausgewählten Thema. Dieses kann ein Podcast, ein Comic, eine Ausstellung, ein Theaterstück, ein Film, eine Broschüre oder vieles mehr sein. Die Projektleiterinnen begleiten und beraten die Projektgruppen bei der Entwicklung dieser Formate.
Zusätzlich soll ein Reflexionsbericht der Projektarbeit mit maximal 3 Seiten entstehen.
Was ist Citizen Science?
Citizen Science ist eine Methode, bei der akademisch Forschende gemeinsam mit Bürgerforscher*innen Forschungsprojekte planen und durchführen. Die Integration von Bürgerforschenden in sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte ermöglicht neue Zugänge zu alltagsrelevantem Wissen und legt gleichzeitig den Fokus auf das Gelingen partizipativer Prozesse. Nicht das „Forschen über“, sondern das „Forschen mit“ steht im Zentrum.
International sowie im deutschsprachigen Raum haben sich Fachgesellschaften etabliert (DE: Mit:forschen!, CH: Schweiz forscht, OE: Österreich forscht), die wesentlich zur Bekanntheit, Qualitätssicherung und Förderung von Citizen Science beitragen. Die Methode kann grundsätzlich in allen Disziplinen zum Einsatz kommen und reicht von naturwissenschaftlichen Crowdsourcing Projekten zur flächendeckenden Sammlung hydrologischer Daten bis hin zum Einbezug von Eltern Frühgeborener in der Erforschung neonataler Intensivpflege. Citizen Scientists – also Personen, die nicht hauptamtlich Forschen – sind dabei je nach Projektdesign und Fragestellung unterschiedlich stark in verschiedene Forschungsphasen eingebunden.
Wie sieht Citizen Science in den Sozialwissenschaften aus?
Die Integration von Bürgerforschenden in sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte – Social Citizen Science – ermöglicht neue Zugänge zu alltagsrelevantem Wissen. Anhand der Analyse spezifischer Lebensbereiche mittels qualitativer Methoden der Sozialforschung (z.B. teilnehmende Beobachtung, Interviews) leistet ethnologische Forschung einen Beitrag
zum Verständnis konkreter, lokaler Sozialformen sowie übergeordneter gesellschaftspolitischer Strukturen und ihrer Wechselwirkungen. Eine besondere Stärke besteht darin, mittels methodisch kontrollierter Verfahren der Dokumentation und Analyse vermeintlich selbstverständliche Phänomene zu befremden und hierdurch neue Erkenntnisse aus Alltagsbeobachtungen zu gewinnen.
Im Rahmen dieses transdisziplinären Lehrprojekts werden Studierende der Universität Zürich zusammen mit Studierenden der Universität Konstanz eigene Citizen Science-Projekte entwickeln und umsetzen. Die zentrale Fragestellung lautet dabei: Wie können wir KI-gestützte Lösungen zu Nachhaltigkeit in der Bodenseeregion – jenseits von Dystopien und Utopien – aus der Perspektive ihrer Alltagsrelevanz besser oder anders verstehen?
Teilprojekte können sich dabei folgenden Forschungsfeldern zuordnen:
(1) Planetare Gesundheit,
(2) Care und medizinische Versorgung,
(3) Produktion und Konsum.
Das Lehrprojekt richtet sich an Studierende unterschiedlicher Fachgruppen.
